RÛR – RÛR (Rezension / Review)

Rûr Rûr
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Manchmal kommt es anders als man denkt. Denn eigentlich sollte das Debüt „RÛR“ der gleichnamigen norwegischen Ein-Mann-Band düsterer und melancholischer sein und zumindest musikalisch mehr dem klassischen Black Metal entsprechen. Doch wie gesagt, „RÛR“ ist anders geworden – während seines Entstehungsprozesses wurden dem Album aber zum Glück nicht die Krallen gezogen. Was C.L. mit seinem Soloprojekt hinlegt, ist temporeicher und melodischer, als man es bei den Inspirationsquellen wie Dissection, Emperor oder Burzum erwartet hätte. Die drei Songs der digitalen Veröffentlichung (welche im März dieses Jahres auch bei Northern Silence als Digipak mit einem Track mehr erhältlich sein wird) sind aber alles andere als weichgespült und lassen sowohl rasanten als auch wilden Atmospheric Black Metal durch die Boxen blasen. Glaubt man der Werbetrommel des Labels, vereint „RÛR“ unter anderem die epischen Melodien von Caladan Brood, die kreischende Wut der Kanadier Forteresse und die kosmische Schwärze von Mare Cognitum. Ich würde dazu neigen, diese Vergleiche größtenteils zu unterstützen – nur die Epik habe ich für meinen Teil vermisst.

Mit einer einfachen Nummerierung von I bis III kann man C.L. nicht unbedingt große Kreativität bei der Namensfindung seiner Songs unterstellen. Aber wer braucht das schon? Namen sind schließlich nur Schall und Rauch, insbesonders bei den Themen, die C.L. mit seinem Werk ansprechen möchte: Der Bandleader gibt selbst an, dass die Thematik des Albums von der Realitätsflucht und anderen dunklen und wilden Welten bzw. Dimensionen handelt. Abstrakte Themen, die sich in einem prügelnden Schlagzeug, aggressiven und trotzdem melodischen Gitarren sowie einem kreischenden Gesang ausdrücken und schwer in Namenskonstrukte zu pressen sind. Wenngleich ich „RÛR“ nicht unbedingt als Meisterwerk oder Meilenstein bezeichnen würde, weiß das Album doch insgesamt gut zu unterhalten. Musikalisch ist das Album grundsätzlich stimmig. Trotz seiner melodischen Ader strömt es seinem Hörer nicht unbedingt positive Gefühle entgegen. Das mitunter sehr monotone Schlagzeug und der gekreischte Sprechgesang klingen wie der eiskalte Hauch aus einer chaotischen Dimension der Finsternis.

So macht „RÛR“ als Debüt durchaus eine gute Figur. Allerdings ist nach oben hin auch noch eine Menge offen. Für meinen Teil fehlt dem Album noch das gewisse Quäntchen Eigenständigkeit, um sich von der breiten Masse der Veröffentlichungen in diesem Genre abzuheben. Ein Reinhören ist es aber allemal wert. Schließlich muss man nicht hinter jeder Ecke den Knaller des Jahres erwarten.

Sometimes things end up differently than you expect. Actually, the self-titled debut „RÛR“ of the Norwegian one-man band should have been darker and more melancholic and at least musically more like classic black metal. But as said before, „RÛR“ is differently and fortunately its claws were not clipped during the creation process. What C.L. presents with his solo project is faster and more melodic than one could have expected from a source of inspiration like Dissection, Emperor or Burzum. The three songs of the digital release (which will be available as a digipak with an additional track in March this year at Northern Silence) are anything but soft washed and let both fast-paced and wild atmospheric black metal blow through your boxes. Believing the labels advertises, „RÛR“ brings together epic tunes of Caladan Brood, screaming rage of Canadian Forteresse and cosmic blackness of Mare Cognitum. I would tend to support these comparisons for the most part – I just missed the epicness.

With a simple numbering from I to III, C.L. implies not a great creativity in naming his songs. But who the fuck needs that? Names are just hollow words, especially with the messages that C.L. tries to communicate with his work: The bandleader states that the albums theme lies in escapism and other dark and wild worlds or dimensions. Abstract themes that resonate in thrashing drums, aggressive yet melodic guitars and screaming vocals. Although I wouldn’t call „RÛR“ a masterpiece or a milestone, but the album kept me well entertained. Musically, the album is basically consistent. Despite its melodies, it doesn’t give its listener much positive feelings. Sometimes the drums are very monotonous and the screams sound like an icy breath from a chaotic dimension of darkness.

I can’t tell „RÛR“ is bad as a debut, but there is still space for improvement. In my opinion, the album lacks of a self-reliance to stand out from the broad mass of publications in this genre. But giving it a try is definitely worth it. After all, you don’t have to expect „the greatest album ever heard“ right behind the next corner.