Sons of Crom – The Black Tower (Rezension)

Sons of Crom - The Black Tower

Was für ein sensationelles Album der beiden Finnen Sons of Crom! Schon das Debütwerk „Riddle of Steel“ konnte mich sofort in seinen Bann ziehen und hatte schließlich ein ausführliches Interview mit der Band in Ausgabe 9 des Hammerheart Zines zur Folge. In den letzten Jahren hat die Band merklich hart an sich gearbeitet, wie interessierte Fans auf Facebook aufmerksam mitverfolgen konnten, und kredenzt uns nun ein anspruchsvolles und sehr abwechslungsreiches Zweitwerk, auf dem die Musiker deutlich gereift agieren. Sons of Crom verstehen sich mittlerweile sehr gut darin, Songs spannend zu halten und in einem dramatischen Höhepunkt gipfeln zu lassen. Auch beim Sound wurde nochmal deutlich eine Schippe obendrauf gelegt, so dass man auf „The Black Tower“ die Fehler inzwischen mit der Lupe suchen muss.

Nach einem stimmungsvollen Intro („Steps of Doom“) bricht mit dem Song „In Fire Reborn“ erstmal eine eiskalte Black-Metal-Woge über uns herein und das Duo verfällt der wütenden Raserei – so kennt man Sons of Crom bisher gar nicht und doch ist dies der beste vorstellbare Beginn für dieses Album, da ein solcher Gewaltausbruch nicht vorhersehbar war. Es dauert auch nicht lange, bis man das an sich schlichte, aber doch ausdrucksstarke Riff verinnerlicht hat und sich darüber freut, wenn es im Laufe des langandauernden Songs immer wieder mal ertönt. Doch ein solcher Gewaltausbrauch bleibt eher die Ausnahme und wiederholt sich auch nur noch einmal kurz gegen Ende der Scheibe. Das Hauptaugenmerk der Band liegt ganz klar auf hymnisch-melodischen Epen, die den Hörer in eine Welt (bzw. in diesem Fall zu den Sternen) entführen, in der der mächtige Gott Crom oft mit grausamer Hand regiert (man erinnere sich hierbei an den Kultstreifen „Conan der Barbar“, der die Band bei ihrer Storyline maßgeblich beeinflusste). Um Crom zu besänftigen, werden die übrigen Songs eher im schleppenden Tempo dargeboten, mit wohldosierten Violinenklängen verfeinert und kraftvollen Chören garniert, die unter die Haut gehen. So zieht sich eigentlich die ganze Zeit ein roter Faden durch das Album. Nur der Song „Fall of Pandemonium“ fällt hier ein wenig aus der Reihe und lädt hingegen zum herzhaften Schmunzeln ein, was vor allem am Gesang von Iiro Sarkki liegt, der sympathisch schief seine Gesangskunst zum Besten gibt. Ich bin mir sicher, dass selbst Quorthon auf seinem Thron in Walhalla den Gesang mit einem Kichern zur Kenntnis nimmt, wohlwissend um seinen teils ebenfalls schiefen Gesang auf dem Referenzwerk „Hammerheart“, was letztlich aber auch niemanden scherte. Und so verhält es sich auch hier, und das, obwohl sich im weiteren Verlauf dieses Songs sogar noch ein frecher Humppa-Part eingeschlichen hat, der mit gewollt schiefem Gesang und frickeligen Gitarrenmelodien vorgetragen wird – total freaky, diese Finnen! Bei mir hatte dies erstmal einen verdutzten WTF-Gesichtsausdruck zur Folge, bevor ich dann aber doch sehr schnell diesen irren Song liebgewinnen konnte – Crom zeigt hier nun mal seine närrische Fratze und letztlich lockert ein solcher Song das Album ganz angenehm auf. Ernsthafter wird es dann wieder beim Schlachtengesang „Legacy“, einem instrumentalen Meisterstück ganz in der Tradition des Highlights „Golden Gates“ vom Debütalbum. Gerade diese instrumentellen und vor Epik nur so strotzenden Hymnen liegen den beiden Finnen besonders gut, was auch an dem ausdrucksstarken Gesang des Hauptsängers Janne liegt, dessen Stimmenvielfalt enorm ist und jeden Song ungemein bereichert. Gänsehaut pur! Mit „Black Wings up High“, „Summoning the Starborn“ und „Viimeinen Laki“ folgen anschließend noch drei bärenstarke, midtempobasierte Epikwalzen, die allesamt auf hohem Niveau angesiedelt sind und mit einem spannenden Songaufbau glänzen. Wer dem epischen Metal verfallen ist, wird bei diesen Songs mit der Zunge schnalzen, soviel ist mal sicher! Nach solchen Heldentaten wird es schließlich noch Zeit für ein wahrhaft episches, instrumentelles Outro und das sollte genügen, um Crom für die nächste Zeit einmal mehr barmherzig und gütig zu stimmen.

Meine hohen Erwartungen an das Zweitwerk sind bei weitem übertroffen worden und auch die äußerst geschmackvolle Aufmachung des auf nur 200 Stück streng limitierten Digibooks weiß zu begeistern. Hier wurde ganz viel Zeit und Liebe in dieses Album gesteckt und die Mühe hat sich wahrlich gelohnt. Jetzt bin ich nur noch gespannt, was uns Procession demnächst mit „Doom Decimation“ kredenzen werden, aber bis dahin ist „The Black Tower“ für mich ein heißer Anwärter für das stärkste Album 2017!