Trna – Lose Yourself to Find Peace (Rezension / Review)

TRNA - Lose Yourself And Find Peace
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Es gibt Bands, die haben einfach einen Hang zum Minimalismus. Dabei meine ich nicht ihre musikalische Arbeit, die vielleicht auf Tiefgang oder Vielfalt verzichtet bzw. auf möglichst wenige Instrumente setzt. Nein, ich meine vielmehr die Anzahl der Tracks, die ihre Alben vorweisen können. Trna scheinen von Anfang an den „Pfad des Songminimalismus“ verfolgen zu wollen, denn bereits das (ebenfalls empfehlenswerte) Debüt „Pattern of Infinity“ aus 2015 verfügte über insgesamt nur drei Stücke. Der Nachfolger „Lose Yourself to Find Peace“ setzt hier noch einen drauf bzw. zieht noch einen ab: Die beiden Tracks des Albums mit den kurzen und einprägsamen Namen „Gale“ und „Calm“ sind zum Glück aber beide um die 20 Minuten lang.

Dass es alleine zwei Songs (auch wenn sie über eine beträchtliche Länge verfügen) gelingt mehr Emotionen zu transportieren, als es manches im wahrsten Sinne des Wortes „besser bestückte“ Album schafft, ist alleine schon bemerkenswert. Das russische Dreigespann um Trna – bestehend aus Gitarrist Andrey Novozhilov, Anton Gataullin am Bass und Drummer Sergey Tikhomirov – lässt in den Ohren seiner Hörer ein Feuerwerk an Ideen explodieren und entfesselt dabei mitreißende Energien, die noch lange in den Gehörgängen nachhallen. Die überschaubare Truppe funktioniert in der Zusammenarbeit so gut, dass es klingt, als würde hier eine Band mit weit mehr Mitgliedern auf der imaginären Bühne stehen. Ich werde mittlerweile das Gefühl nicht los, dass es besonders der osteuropäische Raum ist (auch wenn Russland sich bis nach Asien erstreckt), der eine Vielzahl an fantastischen Atmospheric-Black-Metal-Bands hervorbringt.

Meditative Unstille

Der erste Track „Gale“ beginnt mit einem ambientischen Einstieg und lässt sich Zeit, sich zu entwickeln. Nach und nach – beinahe zaghaft – setzen die Instrumente ein und kreieren gleich mit der ersten Note eine melodische Qualität, durch die man den Song so schnell nicht vergisst. Nach knapp zwei Minuten explodiert „Gale“ und deutet mit ausgestrecktem Zeigefinger darauf, dass hier neben atmosphärischen Elementen auch die des Black Metals bzw. von Blackgaze eine bedeutende Rolle spielen.

So wechselt der Track mehrfach zwischen wilderen und sanfteren Momenten. Immer wieder gibt es auch kleine Verschnaufpausen, die zeitgleich zum Träumen einladen. Letzten Endes verklingt „Gale“ in einem monotonen Rauschen und öffnet das Feld für „Calm“ – einem Song, der nur vom Titel her mit Stille assoziiert werden kann. Oder doch nicht? Passiert es nicht auch manchmal, dass einem die Stille, die einen in manchen Momenten umgibt, viel zu laut vorkommt? Was die Abfolge von Momenten angeht, in denen es mehr zur Sache geht und solchen, die einen zur Ruhe kommen lassen, so setzt „Calm“ auf das gleiche Pferd wie sein Vorgänger „Gale“. Obwohl ich „Calm“ als den härteren Song von beiden bezeichnen würde. Am Ende verklingt auch „Calm“ in den Winkeln des Zimmers, in dem wir diesem Hörgenuss lauschen konnten, wo das gesamte Album noch lange seine Spuren hinterlässt und uns in jedem Augenblick mit den Worten „Hör mich doch noch mal“ angrinst.

„Lose Yourself to Find Peace“ – einen besseren Titel hätte man für dieses fantastisch-faszinierende Album nicht finden können. In seinen beiden Songs kann man sich problemlos verlieren und findet (wenn man sich auf die Suche einlässt) auch ein Stück zu sich selbst. Trna bringen etwas ans Licht der Öffentlichkeit, dass ich gut und gerne als Musik gewordene Meditation bezeichnen kann – auch wenn es mit Sicherheit eine etwas andere Art der Meditation darstellt. Aber wer hat gesagt, dass man nur in der Stille zu sich selbst finden kann?

Some bands have a tendency to minimalism. I do not mean their musical work, which perhaps renounces depth or variety or puts on as few instruments as possible. No, I mean the number of tracks that their albums can show. Trna for example seem to follow the „path of song-minimalism“ right from the start, as their debut „Pattern of Infinity“ from 2015 had only three songs. The successor „Lose Yourself to Find Peace“ follows the same principle, but reduces the total count of songs even more. The only two songs from „Lose Yourself to Find Peace“ with their short and catchy names „Gale“ and „Calm“ are fortunately both approximately 20 minutes long.

The fact that Trna require only two songs (even if they have a considerable length) to transport more emotions than „better equipped“ albums, is already remarkable. The Russian trio around Trna – consisting of guitarist Andrey Novozhilov, bassist Anton Gataullin and drummer Sergey Tikhomirov – explodes a firework of ideas in the ears of the listener and unleashes exciting energies, which still long reverberate in the auditory canals. The manageable team works so well in the collaboration that it sound like, as if a band with far more members are on the imaginary stage. I will not let go of the fact that it is especially the Eastern European region (even if Russia also extends to Asia, of course), which produces a variety of fantastic atmospheric black metal bands.

Meditative unstillness

The first track „Gale“ begins with an ambient entry and allows time to develop. Gradually – almost timidly – the instruments set in and create a melodic quality that keeps this song in your mind. After just two minutes, „Gale“ explodes; pointing out that here, along with atmospheric elements, also those of black metal and blackgaze play an important role.

Thus, the track changes several times between wild and gentle moments and gives small breathing breaks, which invite to wander around at the same time in your mind. In the end, „Gale“ fades into a monotonous noise and opens the field for „Calm“ – a song that can only be associated with silence by the title. Or maybe not? Doesn’t it sometimes happen, that the silence surrounding you in some moments is much too loud? Regarding the heavier and softer moments, „Calm“ puts on the same horse as his predecessor „Gale“. Although I would call „Calm“ as the harder song of both. In the end, the song also fades away into the corners of the room, where we would listen to it and the whole album leaves its mark for a long time and smiles at us with the words „Listen to me again“.

„Lose Yourself to Find Peace“ – you couldn’t find a better title for this fantastic and fascinating album. In this two songs, one can easily get lost. But you can also find a piece of yourself somewhere hidden between the notes. Trna brings something to life that I can well and gladly call as music-meditation – a different and special kind of meditation. But who said, one can only find yourself in silence?